Das sogenannte „Bestellerprinzip“ wurde im Rahmen eines Gesetzentwurfes am 01.10.2014 vom Bundeskabinett beschlossen. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass zukünftig derjenige die Maklerprovision zahlt, der den Makler beauftragt. Was bedeutet dies konkret und wie ist die jetzige Regelung?


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Die Provisionspflicht richtet sich nach § 3 des Wohnungsvermittlungsgesetztes. Demnach beträgt die Provision bei Vermietungen 2 Nettokaltmieten zzgl. MwSt. Bisher ist es Verhandlungssache, wer diese Provision zu zahlen hat. Dies bedeutet in der Regel, dass der Mieter, der die Wohnung anmieten möchte, die Provision bezahlt.

Der Gesetzesentwurf sieht nun vor, dass zukünftig der Eigentümer, der den Makler mit der Vermittlung der Wohnung beauftragt, die Provision zu leisten hat und die Vermietung für den Mieter provisionsfrei ist.

Klingt logisch? Folgende Punkte sieht der Gesetzentwurf jedoch nicht vor:

  • Bestellerprinzip bedeutet, wie der Name schon sagt, dass der „Besteller“ die Provision zahlt. Zukünftig sollen Vermietungen für den Mieter nur noch provisionspflichtig sein, wenn der Makler ausschließlich für diesen Mieter tätig wird. Sofern er die Mietwohnung auch nur einem anderen Kunden anbietet, verliert er seinen Provisionsanspruch. In der Praxis ist das absolut unrealistisch und nicht umzusetzen. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass zukünftig nur noch der Vermieter die Provision zu zahlen hat - was dem Grundgedanken widerspricht, dass der Auftraggeber zahlt. Denn auch der Mieter kann Auftraggeber sein.
  • Es ist unrealistisch zu erwarten, dass die Vermieter in Zukunft die Provision voll übernehmen, ohne zu versuchen, diesen Betrag in irgendeiner Form (sei es über die Miethöhe, Ablöse für Küche o.ä., Renovierungen, die nicht ausgeführt werden) wieder zu erwirtschaften
  • „Dann sollen die Vermieter doch zukünftig einfach auf Makler verzichten und selbst vermieten, wo ist das Problem?“
    Sicher gibt es Vermieter, die die notwendige Zeit und Qualifikation aufweisen, um die Vermietungen zukünftig selbst durchzuführen. Es besteht jedoch auch die Gefahr, dass, um Zeit zu sparen, die aufwändigen Besichtigungen im Schnelldurchlauf und als Massentermin durchgeführt werden, anstatt in Ruhe mit ausführlichem Exposé. Weiterhin ist das Risiko groß, in Unwissenheit ungültige Regelungen im Mietvertrag zu vereinbaren. All dies führt im Ergebnis zu einer schlechteren Betreuung der Mieter!

Was fordern die Immobilien- und Maklerverbände? Die Einführung eines „echten“ Bestellerprinzips, bei dem auch der Mieter Auftraggeber sein kann.

Es bleibt weiterhin spannend. Das Bestellerprinzip gilt frühestens ab dem 01.04.2015, wenn das parlamentarische Verfahren abgeschlossen ist – welche inhaltlichen Änderungen dann schlussendlich Gesetz werden, bleibt abzuwarten.

Übrigens – bei Verkaufsaufträgen ist die Provision weiterhin Verhandlungssache und nicht vom Gesetzgeber reguliert.

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